Wenn Sie heute nur eine Sache lesen

Melden Sie sich bei der Pensionskasse des Verstorbenen, auch wenn die AHV Ihnen nichts zahlt. Die zweite Säule hat eigene, weiter gefasste Regeln, und wer dort keine Rente bekommt, hat oft trotzdem Anspruch auf eine einmalige Abfindung in Höhe von drei Jahresrenten.

Der Anspruch hängt an den Kindern

Die AHV stellt bei der Hinterlassenenrente nicht die Frage, wie viel jemand verdient hat, sondern eine ganz andere: Waren im Zeitpunkt der Verwitwung Kinder da?

Anspruch auf eine Witwen- oder Witwerrente haben Witwen und Witwer, sofern sie im Zeitpunkt der Verwitwung Kinder haben. Auf das Alter der Kinder kommt es dabei zunächst nicht an. Als Kinder gelten auch Kinder des verstorbenen Ehegatten, die im gemeinsamen Haushalt lebten und durch den Tod eine Waisenrente bekommen. Pflegekinder, die Sie gemeinsam betreut haben, zählen, wenn Sie sie nach der Verwitwung adoptieren.

Voraussetzung ist ausserdem, dass der verstorbenen Person mindestens ein volles Beitragsjahr angerechnet werden kann.

Für Witwen kommt eine zweite Tür dazu: Sie haben auch ohne Kinder Anspruch, wenn sie im Zeitpunkt der Verwitwung das 45. Altersjahr vollendet hatten und mindestens fünf Jahre verheiratet waren. War die Witwe mehrmals verheiratet, zählt die Gesamtdauer der Ehen.

Der Anspruch entsteht am ersten Tag des Monats nach dem Tod. Er erlischt mit einer Wiederverheiratung und mit dem Tod, lebt aber wieder auf, wenn die neue Ehe geschieden oder für ungültig erklärt wird.

Für Witwer gelten andere Regeln

Die zweite Tür ohne Kinder ab 45 gilt nur für Witwen. Kinderlose Witwer haben keinen Anspruch auf eine Witwerrente der AHV.

Für Witwer mit Kindern hat sich etwas geändert, das noch nicht im Gesetzestext steht: Das Gesetz lässt die Witwerrente enden, wenn das jüngste Kind 18 wird. Seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte gilt seit dem 11. Oktober 2022 eine Übergangsregelung: Die Witwerrente endet nicht mehr mit dem 18. Geburtstag des jüngsten Kindes, sondern wird darüber hinaus gezahlt. Das Gesetz soll später angepasst werden; bis dahin gilt diese Übergangsregelung.

Bei eingetragener Partnerschaft ist die überlebende Person einem Witwer gleichgestellt, unabhängig vom Geschlecht.

Wenn Sie Witwer sind: lassen Sie es sich bestätigen

Weil Gesetzestext und geltende Praxis hier auseinanderliegen, holen Sie sich von Ihrer Ausgleichskasse eine schriftliche Auskunft zu Ihrem konkreten Fall. Wurde Ihre Witwerrente früher wegen des 18. Geburtstags eines Kindes eingestellt, fragen Sie dort nach.

Wenn Sie geschieden waren

Auch nach einer Scheidung kann eine Witwenrente zustehen, wenn der frühere Ehegatte stirbt. Eine geschiedene Frau hat Anspruch, wenn

  • sie Kinder hat und die geschiedene Ehe mindestens zehn Jahre gedauert hat, oder
  • sie bei der Scheidung älter als 45 Jahre war und die Ehe mindestens zehn Jahre gedauert hat, oder
  • ihr jüngstes Kind 18 wurde, nachdem sie 45 Jahre alt geworden war.

Trifft nichts davon zu, gibt es die Witwenrente bis zum 18. Geburtstag des jüngsten Kindes. Für geschiedene Witwer mit Kindern hat das Bundesgericht am 16. Dezember 2024 entschieden, dass auch sie Anspruch auf eine unbegrenzte Witwerrente haben, nicht rückwirkend. Geschiedene Witwer ohne Kinder haben keinen Anspruch.

Wie hoch die AHV-Renten sind

Die Anteile sind fest. Sie beziehen sich auf die Altersrente, die dem massgebenden durchschnittlichen Jahreseinkommen entspricht:

RenteAnteil
Witwen- oder Witwerrente80 Prozent
Waisenrente40 Prozent
Waisenrente, wenn das Kind nur zum verstorbenen Elternteil in einem Kindesverhältnis stand60 Prozent

In Franken heisst das für 2026 bei voller Beitragsdauer: Die Witwen- oder Witwerrente beträgt 1.008 bis 2.016 Franken im Monat, die Waisenrente 504 bis 1.008 Franken. Wo genau Sie liegen, hängt vom durchschnittlichen Einkommen der verstorbenen Person ab; fehlen Beitragsjahre, gibt es eine Teilrente.

Sind beide Eltern gestorben, werden die Waisenrenten gekürzt, soweit ihre Summe 60 Prozent der maximalen Altersrente übersteigt. Und wer gleichzeitig Anspruch auf eine Witwenrente und auf eine Alters- oder IV-Rente hat, bekommt nur die höhere von beiden, nicht die Summe.

Rente anmelden: wo und bis wann

Die Rente kommt nicht von selbst. Melden Sie den Anspruch bei der Ausgleichskasse, bei der die verstorbene Person zuletzt AHV-Beiträge bezahlt hat, mit dem Formular 318.371 „Anmeldung für eine Hinterlassenenrente". Hat sie keine Beiträge bezahlt, ist die kantonale Ausgleichskasse zuständig.

Wer spät anmeldet, verliert nicht alles: Ausstehende Leistungen erlöschen erst fünf Jahre nach dem Ende des Monats, für den sie geschuldet waren. Was älter ist, wird nicht mehr nachgezahlt.

Wenn Sie selbst schon AHV-Rente beziehen

Sind Sie selbst schon im Rentenalter, gilt: Wer gleichzeitig Anspruch auf eine Witwen- oder Witwerrente und eine eigene Altersrente hat, bekommt nur die höhere. Dafür erhalten verwitwete Bezügerinnen und Bezüger einer Altersrente einen Verwitwetenzuschlag von 20 Prozent auf ihre Rente. Rente und Zuschlag zusammen dürfen den Höchstbetrag der Altersrente nicht übersteigen.

Waisenrente bis 18, bei Ausbildung bis 25

Kinder, deren Vater oder Mutter gestorben ist, haben Anspruch auf eine Waisenrente; sind beide Eltern gestorben, auf zwei. Der Anspruch entsteht am ersten Tag des Monats nach dem Tod und erlischt mit dem 18. Geburtstag.

Für Kinder, die noch in Ausbildung sind, dauert der Anspruch bis zu deren Abschluss, längstens bis zum vollendeten 25. Altersjahr. Melden Sie eine laufende Ausbildung rechtzeitig, sonst endet die Zahlung mit 18. Verdient das Kind während der Ausbildung mehr als 30.240 Franken brutto im Jahr, entfällt die Waisenrente.

Leistungen der Pensionskasse für Hinterbliebene

Die Pensionskasse zahlt zusätzlich zur AHV, und ihre Regeln sind breiter. Die berufliche Vorsorge ist eine eigene Baustelle, und sie wird oft vergessen, weil die AHV zuerst antwortet. Für Hinterbliebene sind ihre Regeln günstiger als die der AHV. Zuständig ist die Pensionskasse der verstorbenen Person.

Witwenrente und Witwerrente

Anspruch auf eine Witwen- oder Witwerrente aus der Pensionskasse hat, wer beim Tod des Ehegatten entweder für den Unterhalt mindestens eines Kindes aufkommen muss oder älter als 45 Jahre ist und die Ehe mindestens fünf Jahre gedauert hat. Diese zweite Möglichkeit gilt hier für Frauen und Männer gleichermassen. Für eingetragene Partnerschaften gilt dieselbe Regel sinngemäss.

Auch ohne Rente gibt es etwas

Wer keine dieser Voraussetzungen erfüllt, hat Anspruch auf eine einmalige Abfindung in Höhe von drei Jahresrenten. Das ist der Grund, sich bei der Pensionskasse auch dann zu melden, wenn die AHV bereits abgelehnt hat.

Die Rente der Pensionskasse endet mit einer Wiederverheiratung oder mit dem Tod der Witwe oder des Witwers.

Wie hoch die Renten sind

Das Gesetz legt für den obligatorischen Teil feste Anteile fest. Worauf sie sich beziehen, hängt davon ab, ob die verstorbene Person schon eine Rente bekam:

Die verstorbene Person …Witwen- oder WitwerrenteWaisenrente
war noch versichert, bekam aber keine Rente60 Prozent der ganzen Invalidenrente, auf die sie Anspruch gehabt hätte20 Prozent davon
bekam bereits eine Alters- oder Invalidenrente der Pensionskasse60 Prozent der zuletzt ausbezahlten Rente20 Prozent davon

Das sind Mindestwerte. Viele Kassen zahlen darüber hinaus mehr, das steht im Reglement der jeweiligen Kasse. Der Anspruch entsteht mit dem Tod, frühestens aber, wenn der volle Lohn nicht mehr weiterbezahlt wird.

Waisenrente der Pensionskasse

Die Kinder der verstorbenen Person haben Anspruch auf eine Waisenrente, Pflegekinder dann, wenn die verstorbene Person für ihren Unterhalt aufkommen musste. Die Rente endet mit dem 18. Geburtstag; für Kinder in Ausbildung läuft sie bis zum Abschluss, längstens bis zum vollendeten 25. Altersjahr.

Wenn Sie nicht verheiratet waren

Für Lebenspartnerinnen und Lebenspartner sieht das Gesetz keinen eigenen Anspruch vor. Es erlaubt der Pensionskasse aber, sie in ihrem Reglement zu begünstigen, etwa wenn Sie mit der verstorbenen Person in den letzten fünf Jahren ununterbrochen zusammengelebt haben oder für den Unterhalt gemeinsamer Kinder aufkommen. Ob Ihre Kasse das tut und was sie dafür verlangt, steht nur im Reglement. Fragen Sie danach, auch wenn Sie nicht damit rechnen.

Wann die Pensionskasse zahlt

Voraussetzung ist, dass die verstorbene Person im Zeitpunkt des Todes versichert war oder bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zum Tod geführt hat, oder dass sie von der Kasse bereits eine Alters- oder Invalidenrente erhielt. Nach einem Schlaganfall ist der Fall der Arbeitsunfähigkeit häufig der entscheidende, etwa wenn zwischen dem Ereignis und dem Tod die Anstellung endete. Erwähnen Sie den Krankheitsverlauf deshalb ausdrücklich.

Drei Monate für das Erbe, ein Monat für das Inventar

Erben können die Erbschaft ausschlagen. Die Frist dafür beträgt drei Monate und beginnt für gesetzliche Erben, wenn ihnen der Tod bekannt geworden ist, für eingesetzte Erben mit der amtlichen Mitteilung der Verfügung.

Ist die Zahlungsunfähigkeit des Verstorbenen im Zeitpunkt seines Todes amtlich festgestellt oder offenkundig, so wird die Ausschlagung vermutet. In diesem Fall müssen Sie nicht selbst aktiv werden, um nicht zu haften.

Achtung: Die kürzere Frist ist die wichtigere

Wenn Sie nicht wissen, ob der Nachlass Schulden enthält, können Sie ein öffentliches Inventar verlangen. Das Begehren muss aber binnen Monatsfrist gestellt werden, also deutlich früher als die drei Monate zum Ausschlagen. Stellt es eine erbende Person, gilt es für alle übrigen mit.

Was Ehegatten erben und was die EL zurückfordert

Ohne Testament erbt der überlebende Ehegatte die Hälfte, wenn er mit Nachkommen teilt, und drei Viertel, wenn er mit Eltern oder Geschwistern der verstorbenen Person teilt. Gibt es auch die nicht, erbt er alles. Ein Testament kann das ändern, aber nicht unter den Pflichtteil: Er beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbanspruchs.

Hat die verstorbene Person Ergänzungsleistungen bezogen, müssen diese aus dem Nachlass zurückgezahlt werden, aber nur aus dem Teil, der 40.000 Franken übersteigt. Bei Ehepaaren entsteht diese Pflicht erst aus dem Nachlass des Zweitverstorbenen: Solange Sie leben, wird von Ihnen nichts zurückgefordert. Mehr dazu steht unter Ergänzungsleistungen.

Das Auto der verstorbenen Person: weiterfahren, umschreiben, versichern

Ein Auto darf nur mit Fahrzeugausweis, Kontrollschildern und einer Haftpflichtversicherung auf die Strasse. Der Fahrzeugausweis lautet auf den Halter, also auf die verstorbene Person. Wer das Auto fährt, braucht ausserdem seinen eigenen Führerausweis.

Darf ich mit dem Auto weiterfahren?

Eine eigene Regel für den Todesfall, etwa eine Frist, in der Angehörige das Auto auf den bisherigen Ausweis weiterfahren dürfen, haben wir im Bundesrecht nicht gefunden. Klären Sie deshalb vor der ersten Fahrt zwei Dinge: beim Strassenverkehrsamt, ob das Auto auf den bisherigen Ausweis noch fahren darf, und bei der Versicherung, ob der Schutz für Sie gilt.

Umschreiben. Halter ist, wer tatsächlich und dauernd über das Auto verfügt und es in seinem Interesse oder auf seine Kosten nutzt. Geht das Auto auf eine andere Person über, ist ein neuer Fahrzeugausweis nötig. Melden Sie das dem Strassenverkehrsamt des Kantons, in dem das Auto steht, innert 14 Tagen und legen Sie den alten Fahrzeugausweis vor. Halten mehrere Personen das Auto gemeinsam, bestimmen sie eine, die im Ausweis als Halter eingetragen wird.

Versichern. Beim Halterwechsel gehen die Rechte und Pflichten aus dem Versicherungsvertrag auf den neuen Halter über. Die bisherige Versicherung darf aber innert 14 Tagen, nachdem sie vom Wechsel erfahren hat, vom Vertrag zurücktreten. Wird der neue Ausweis über eine andere Versicherung ausgestellt, erlischt der alte Vertrag. Rufen Sie die Versicherung deshalb früh an.

Stehen lassen. Braucht vorerst niemand das Auto, können die Kontrollschilder beim Strassenverkehrsamt hinterlegt werden. Solange sie dort liegen, ruht die Versicherung.

Wenn Sie überlegen, das Erbe auszuschlagen, ist das Auto mehr als eine Formalität: Wer sich vor Ablauf der Frist Sachen aus der Erbschaft aneignet oder Handlungen vornimmt, die über die blosse Verwaltung hinausgehen, kann die Erbschaft nicht mehr ausschlagen. Lassen Sie sich in diesem Fall beraten, bevor Sie das Auto auf sich umschreiben lassen oder nutzen.

Mit jemandem sprechen

Zu allem oben können wir Ihnen sagen, was gilt. Zu dem, was Sie gerade erleben, nicht. Wir geben Ihnen deshalb keine Ratschläge zum Trauern.

Im Verzeichnis steht dafür Die Dargebotene Hand: unter 143 rund um die Uhr erreichbar, dazu per Chat und Mail. Trauer ist dort ausdrücklich eines der Themen, die Beratung ist anonym, und das Gespräch selbst ist kostenlos; je nach Anbieter fallen Verbindungsgebühren für den Anruf an. Wenn Sprechen gerade nicht geht, schreiben Sie.

Dass es dabei bleibt, hat einen Grund: Trauergruppen und Trauercafés sind in der Schweiz lokal organisiert, von Kirchgemeinden und Hospizgruppen. Ein landesweites Angebot, das wir hier aufnehmen könnten, gibt es nicht. Fragen Sie deshalb bei Ihrer Kirchgemeinde oder beim Palliativdienst Ihres Kantons nach, dort sind diese Gruppen bekannt.