Sie müssen das nicht alleine schaffen
Im Verzeichnis Bürokratie & Sozialleistungen sind geprüfte Beratungsstellen gesammelt, die kostenlos oder günstig helfen.
"Krankengeld, Arbeitslosengeld, Rente: ein Alptraum." So beschreiben Betroffene die Bürokratie nach dem Schlaganfall immer wieder. Tatsächlich folgt der Weg einem festen Fahrplan mit klaren Fristen. Wer sie kennt, verliert kein Geld und keine Ansprüche. Dieser Zeitstrahl zeigt Schritt für Schritt, was wann passiert und was Sie jeweils tun müssen. Er gilt für Deutschland und für Menschen, die vor dem Schlaganfall angestellt beschäftigt waren. Alles, was neben dem Einkommen noch zusteht (Pflegegrad, Hilfsmittel, Schwerbehindertenausweis, Zuschüsse), ordnet der Überblick Finanzielle Hilfe nach dem Schlaganfall.
Ein Fahrplan, kein Stundenplan: Ein Verlauf nach einem Schlaganfall lässt sich nicht auf die Woche genau planen. Die Zeitangaben sind eine Orientierung, keine Termine.
Wählen Sie einen ungefähren Zeitraum oder Ihr Datum (bleibt auf Ihrem Gerät). Der Zeitstrahl darunter zeigt dann für jede Etappe Ihren Kalendermonat.
Woche 0
Ab dem ersten Krankheitstag erhalten Sie 6 Wochen lang Ihr volles Gehalt als Entgeltfortzahlung (§ 3 EntgFG). Voraussetzung: Das Arbeitsverhältnis besteht seit mindestens 4 Wochen; in den ersten 4 Wochen eines neuen Jobs zahlt stattdessen die Krankenkasse Krankengeld.
Das müssen Sie tun
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung an Arbeitgeber und Krankenkasse. Achten Sie von Anfang an darauf, dass die Bescheinigungen lückenlos verlängert werden, jede Lücke kann später das Krankengeld gefährden.
Zuständig: Arbeitgeber
Woche 6
Die Krankenkasse zahlt Krankengeld: 70 Prozent des Bruttoentgelts, höchstens 90 Prozent des Netto, abzüglich Ihrer Beitragsanteile zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung. Gerechnet wird nur mit dem Entgelt, das der Beitragsberechnung unterliegt; wer über der Beitragsbemessungsgrenze verdient, bekommt deshalb weniger als 70 Prozent seines tatsächlichen Bruttos. Wichtig zu wissen: Die maximale Bezugsdauer von 78 Wochen gilt ab Woche 0, die 6 Wochen Lohnfortzahlung zählen mit. Praktisch zahlt die Kasse also rund 72 Wochen.
Das müssen Sie tun
Unterlagen der Krankenkasse ausfüllen, AU-Bescheinigungen weiterhin lückenlos einreichen.
Zuständig: Krankenkasse
Jederzeit während des Krankengeldbezugs
Die Krankenkasse kann Sie nach § 51 SGB V auffordern, innerhalb von 10 Wochen einen Reha-Antrag zu stellen. Versäumen Sie die Frist, entfällt Ihr Krankengeld. Vorsicht: Dieser Reha-Antrag kann rechtlich als Rentenantrag gelten (§ 116 SGB VI), wenn die Reha die Erwerbsfähigkeit nicht wiederherstellen kann. Das kann gewollt sein, muss es aber nicht.
Das müssen Sie tun
Frist ernst nehmen und den Antrag rechtzeitig stellen. Lassen Sie sich vorher von einem Sozialverband beraten (VdK, SoVD), bevor Sie unterschreiben.
Zuständig: Krankenkasse, Antrag an die Deutsche Rentenversicherung
Sobald Sie belastbar genug sind
Mit einem ärztlichen Stufenplan kehren Sie schrittweise in Ihre Tätigkeit zurück, zum Beispiel erst 2, dann 4, dann 6 Stunden. Sie gelten währenddessen weiter als arbeitsunfähig, das Krankengeld läuft weiter (nach einer DRV-Reha das Übergangsgeld). Beachten Sie: Auch diese Zeit verbraucht das 78-Wochen-Kontingent.
Das können Sie tun
Stufenplan mit Ärztin oder Arzt erstellen und mit Arbeitgeber und Krankenkasse abstimmen. Mehr dazu im Artikel Reha nach dem Schlaganfall.
Zuständig: Arzt, Arbeitgeber, Krankenkasse bzw. Rentenversicherung
Etwa 3 Monate vor Woche 78
Die Krankenkasse kündigt das Ende des Krankengeldes in der Regel einige Wochen vorher schriftlich an, einen gesetzlich festen Zeitpunkt gibt es dafür aber nicht. Warten Sie nicht auf den Brief.
Das sollten Sie tun
Sozialverbände empfehlen, etwa 3 Monate vor dem Krankengeld-Ende Kontakt zur Agentur für Arbeit aufzunehmen und parallel zu klären, ob ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente sinnvoll ist. Das ist eine Empfehlung, keine Frist, sie erspart Ihnen aber Lücken beim Geld.
Zuständig: Agentur für Arbeit, Deutsche Rentenversicherung
Woche 78: Aussteuerung
Nach 78 Wochen endet das Krankengeld kraft Gesetzes ("Aussteuerung"), auch wenn Sie weiter krank sind. Jetzt greift die Nahtlosigkeitsregelung (§ 145 SGB III): Sie erhalten Arbeitslosengeld, obwohl Sie arbeitsunfähig sind, bis über Reha oder Rente entschieden ist. Höhe: 60 Prozent des Netto-Bemessungsentgelts, 67 Prozent mit Kind. Die Bezugsdauer richtet sich nach Alter und Beitragszeiten: von 6 Monaten bis zu 24 Monaten (ab 58 Jahren mit 48 Beitragsmonaten).
Das müssen Sie tun
Spätestens am ersten Tag nach dem Krankengeld-Ende bei der Agentur für Arbeit arbeitslos melden und Arbeitslosengeld beantragen. Ja, das gilt auch, wenn Sie krank sind, ohne Meldung gibt es kein Geld. Zwei Erleichterungen, die kaum jemand kennt: Die Meldung geht auch elektronisch über das Fachportal, und wer sich wegen gesundheitlicher Einschränkungen nicht selbst melden kann, darf sich vertreten lassen (§ 145 Abs. 1 SGB III). Sie können sich außerdem schon bis zu drei Monate im Voraus melden. Fordert die Agentur Sie danach zu einem Reha-Antrag auf, haben Sie dafür 1 Monat Zeit, sonst ruht das Arbeitslosengeld.
Zuständig: Agentur für Arbeit
Parallel, so früh wie sinnvoll
Wer auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt keine 6 Stunden täglich mehr arbeiten kann, hat Anspruch auf teilweise, wer keine 3 Stunden mehr schafft, auf volle Erwerbsminderungsrente (§ 43 SGB VI). Voraussetzung sind 5 Jahre Versicherungszeit und 3 Jahre Pflichtbeiträge in den letzten 5 Jahren. Es gilt "Reha vor Rente": Die Rentenversicherung prüft zuerst, ob eine Reha die Erwerbsfähigkeit wiederherstellen kann. Die Bearbeitung dauert erfahrungsgemäß mehrere Monate, mit Gutachten auch länger. Befristete Renten beginnen frühestens im 7. Kalendermonat nach Eintritt der Erwerbsminderung; rückwirkend gezahlt wird nur bei Antrag innerhalb von 3 Kalendermonaten. Hinzuverdienst ist begrenzt möglich (2026: rund 20.764 Euro pro Jahr bei voller, mindestens 41.528 Euro bei teilweiser Erwerbsminderung).
Das sollten Sie tun
Antrag früh und vollständig bei der Deutschen Rentenversicherung stellen, Befunde beilegen. Ein Sozialverband hilft beim Antrag und bei einem eventuellen Widerspruch. Den ganzen Weg samt Fristen und Widerspruch beschreibt der Artikel Erwerbsminderungsrente nach dem Schlaganfall.
Zuständig: Deutsche Rentenversicherung
Parallel, so früh wie möglich
Ab einem Grad der Behinderung von 50 gelten Sie als schwerbehindert, mit Nachteilsausgleichen und besonderem Kündigungsschutz: Eine Kündigung braucht dann die vorherige Zustimmung des Integrationsamts (§ 168 SGB IX). Dieser Schutz greift nicht in den ersten sechs Monaten eines Arbeitsverhältnisses (§ 173 Abs. 1 SGB IX). Auch bei einem GdB von 30 oder 40 ist er erreichbar: über die Gleichstellung durch die Agentur für Arbeit. Die Bearbeitung dauert Monate, stellen Sie den Antrag deshalb früh. Welche Ansprüche im Einzelnen daran hängen, steht bei den Nachteilsausgleichen.
Das sollten Sie tun
Antrag beim Versorgungsamt stellen. Die Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie im Artikel GdB und Schwerbehindertenausweis nach dem Schlaganfall.
Zuständig: Versorgungsamt (je nach Bundesland unterschiedlich benannt)

Im Verzeichnis Bürokratie & Sozialleistungen sind geprüfte Beratungsstellen gesammelt, die kostenlos oder günstig helfen.
Sie suchen eine Stelle, die Ihnen dabei hilft? Der Navigator zeigt Ihnen passende Anlaufstellen in Deutschland.
Klären Sie mit der Agentur für Arbeit die Arbeitslosmeldung auch dann, wenn Sie weiterhin krank sind. Näheres finden Sie im Abschnitt „Das Krankengeld endet: Jetzt Arbeitslosengeld beantragen“ im verlinkten Text.
Nehmen Sie die Aufforderung ernst und holen Sie Unterstützung beim Reha-Antrag. Näheres finden Sie im Abschnitt zur Aufforderung der Krankenkasse im verlinkten Text.
Lassen Sie den möglichen Rentenbeginn und die Antragstellung bei der Rentenversicherung klären. Näheres finden Sie im Abschnitt „Erwerbsminderungsrente beantragen“ im verlinkten Text.
Der Sozialdienst oder eine Sozialberatung hilft Ihnen, die zuständigen Stellen zu finden. Näheres finden Sie im Abschnitt „Sie müssen das nicht alleine schaffen“ im verlinkten Text.
Klären Sie die anschließende Absicherung, während Sie noch Krankengeld erhalten. Näheres finden Sie im Abschnitt „Das Ende des Krankengeldes vorbereiten“ im verlinkten Text.
Lassen Sie die Zuständigkeit mit Unterstützung des Sozialdienstes oder einer Sozialberatung klären. Näheres finden Sie im Abschnitt „Sie müssen das nicht alleine schaffen“ im verlinkten Text.
Die Angaben auf dieser Seite stützen sich auf Gesetze, Behörden und die Stellen, die die Leistung gewähren. Bitte lesen Sie im Zweifel dort nach: Gesetze und Beträge ändern sich, und für Ihren Fall gilt immer der aktuelle Text.
Diese Seite informiert über Verwaltungswege und Fristen in Deutschland; sie stellt keine Rechts- oder Sozialberatung dar und ersetzt keine Auskunft der zuständigen Träger. Beträge und Grenzen: Stand Juli 2026.
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